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Deutsche Welle Stichwort Podcast

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Summary

This German podcast is great for intermediate to advanced learners who want to keep up with the latest German lingo.

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Stichwort is an entertaining program about the latest buzzwords in German.

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Klar, die wirklich bedeutenden Urteile werden von Richtern im Gericht gefällt. Jedes Wochenende jedoch scheint es, als gäbe es da noch wichtigere Entscheidungen – wenn etwa ein Schiedsrichter das Abseits übersehen hat.

"Der soll es nun richten." Ein Satz, häufig zu hören, wenn im Radio oder Fernsehen über ein Fußballspiel berichtet wird. Gemeint ist dabei Folgendes: Ein Spieler der Mannschaft, die zurückliegt, wird eben eingewechselt. Vielleicht kann er ja wenigstens noch den Ausgleich erzielen, damit das Ding nicht verloren geht. Er soll auf dem Spielfeld noch etwas ausrichten, soll heißen, ein Tor schießen oder auch zwei.

Der Herr der Spielregeln

Wir haben uns für diese Woche das Stichwort "richten" ausgesucht, und da passt es ganz wunderbar, dass die Worte "Richter" und sogar "Schiedsrichter" so eng mit dem Verbum "richten" verwandt sind. Weshalb heißt der berühmte Mann in Schwarz "Schiedsrichter"?

Nun, er wacht darüber, dass die Regeln des Spiels eingehalten werden, und entscheidet kraft seines Amtes, was zu geschehen hat, wenn gegen die Regeln verstoßen wird. In gewisser Weise sind seine Entscheidungen einem Richterspruch vergleichbar. Auch er, der Schiedsrichter, sorgt dafür, dass dem Recht – in seinem Fall den Spielregeln – Geltung verschafft wird. Mal macht er das mit mehr, mal mit weniger Augenmaß.

Der Handwerker kriegt's hin

"Richten" ist ein "Bewirkungswort". Was darunter zu verstehen ist, lässt sich am besten mit der Grundbedeutung von "richten" erklären. "Richten" heißt seiner Herkunft nach nichts anderes als "gerade machen". Das ist ganz wörtlich zu verstehen. "Richten" heißt aber auch: "etwas eine ganz bestimmte Richtung geben".

"Etwas richten" ist ein Begriff, der vor allem im Handwerk geläufig war. Noch heute kann man vor allem im Süddeutschen hören: "Das lässt sich richten". Gemeint ist: Das kann man machen; das lässt sich wieder in Ordnung bringen oder auch reparieren. Die Uhr geht jetzt wieder richtig. Der Uhrmacher hat sie repariert.

Den Blick in die richtige Richtung richten

Sie merken, da sind wir schon bei einer übertragenen Bedeutung des Stichworts, und zwar in adverbialem Gebrauch. "Richtig" kann aber auch die Funktion eines Adjektivs annehmen. Beispiel: "Das ist der richtige Weg"; im Gegensatz zum falschen. Oder der von Politikern so ermüdend oft bemühte "Schritt in die richtige Richtung", wobei dieser samt der richtigen Richtung ausschließlich in bildhafter Bedeutung zu verstehen ist.

Auch das Verbum "richten" kann im entsprechenden Zusammenhang eine Richtung, ein Ziel markieren. Beispiele: "Er richtet den Blick stets nach vorn". Oder: "Das Mädchen richtete seine Blicke auf ihn; sein Herz schlug schneller". Und ohne Beispiele: jemandem Grüße ausrichten lassen; das Wort an die Zuhörer richten; sich nach jemandem richten oder die Aufmerksamkeit auf etwas richten.

Da lässt sich nichts mehr richten: zugrunde gerichtet

Sie kennen den Ausdruck "etwas zugrunde richten". Damit ist, auch das hat in gewisser Weise mit "Richtung" zu tun, ein unablässiger und gleichermaßen zerstörerischer Vorgang gemeint. Sozusagen in gerader Linie vom Guten ins Schlechte – oder ganz dramatisch – von der Existenz in die Vernichtung. Man/Frau kann sich gesundheitlich zugrunde richten; eine Firma lässt sich zugrunde richten; alles lässt sich zugrunde richten.

Wörter nehmen in ihrer Bedeutungsentwicklung oft nicht so recht zu bestimmende Richtungen ein. "Richten" ist da keine Ausnahme. So kann "richten" auch "fertig machen" und "sich zurechtmachen" bedeuten. Manchmal mit und manchmal ohne Vorsilbe.

Welch ein Unterschied so eine kleine Vorsilbe doch macht …

So heißt zum Beispiel "das Essen richten" entweder, zu kochen beginnen, oder das, was auf den Tisch kommen soll, herrichten und es dann – wenn’s beliebt und so man hat – auf einer Anrichte hübsch anrichten. Wenn Gäste zum Essen erwartet werden, empfiehlt es sich, einiges vorzurichten, also vorzubereiten.

Was Vorsilben bedeutungsmäßig anrichten können, wird schlagartig klar, wenn wir unser Stichwort mit "hin-" kombinieren. "Hinrichten" und "Hinrichtung" sind Begriffe aus der Rechtssprechung. Hinrichtung ist die Vollstreckung der Todesstrafe aufgrund eines richterlichen Urteils.

Juchhu, das Haus steht!

Wir wollen aber nicht mit einem so schrecklichen Beispiel enden. Zurück zu den Anfängen, zurück zu "richten" im Sinne von "gerade machen". Da sind wir noch einmal beim Handwerk, bei den Maurern und Zimmerleuten, die sich mit ihrer Richtschnur oder dem Richtscheit vergewissern, dass Mauern und Dachstuhl genau senkrecht, im Lot, stehen. Wenn das Haus im Rohbau aufgerichtet ist, wird der Richtbaum am Dachfirst angebracht und Richtfest gefeiert. Nun haben wir doch noch einen richtig schönen Schluss gefunden; und was die Schiedsrichter angeht: Die allermeisten machen ihre Sache schon richtig. Ein paar schwarze Schafe gibt's überall.


Fragen zum Text:

Wenn jemand sagt: "Das lässt sich richten", so meint er/sie damit, dass …
1. über etwas leicht ein Urteil gefällt werden kann.
2. etwas wieder in Ordnung gebracht werden kann.
3. etwas hübsch zurechtgemacht werden soll.

Man richtet seine Aufmerksamkeit …
1. an etwas.
2. gegen etwas.
3. auf etwas.

Was gehört zu einem Richtfest?
1. eine Richtschnur
2. ein Richtbaum
3. ein Schiedsrichter


Arbeitsauftrag:
Ob be-, ver-, vor-, hin-, her-, auf-, an- oder aus-, "richten" lässt dich mit zahlreichen Vorsilben kombinieren, wodurch sich die Bedeutung oft stark verändert. Bilden Sie zu jeder der hier genannten Vorsilben plus "richten" einen Satz.

Tritt ein Ereignis ein, das sehr unwahrscheinlich ist und das Leben verändert, sprechen gläubige Menschen gern von Schicksal. Die anderen nennen es Zufall. Aber was bedeutet "Zufall" eigentlich ursprünglich?

Eine Interjektion bezeichnet in der Sprachwissenschaft eine lautliche Äußerung, der meistens eine Empfindung zu Grunde liegt. Angenommen, man/frau findet beim Blättern in den Kontoauszügen, die bekanntlich jahrelang aufbewahrt werden müssen, rein zufällig eine Millionenüberweisung. Zugegeben, ein ziemlich blödes Beispiel. Als für diese rein zufällig angenommene Situation angebrachte Interjektion empfiehlt sich zum Beispiel ein deutliches "Huch?!" mit Frage- und Ausrufezeichen; denn wie kommt die Million aufs Konto? Es wird Ihnen aufgefallen sein, dass – und damit sind wir mitten im Stichwort dieser Woche – bereits zweimal das Wort "zufällig" gefallen ist. Das ist kein Zufall. Ob es ihn überhaupt gibt, den Zufall, dieser Frage wollen wir heute ein wenig nachspüren.

Was einem zufällt, ist kein Zufall

Das Verb "zufallen" ermöglicht uns ohne allzu große Schwierigkeiten, den Zusammenhang zwischen Fallobst und – sagen wir Vermögenszuwachs – zu zeigen. Es ist ganz einfach: Der Apfelbaum in Nachbars Garten ragt mit einigen Zweigen auf ihr Grundstück. Der Apfel reift, der Apfel fällt, der Apfel plumpst auf ihr Grundstück und geht damit in ihren Besitz über. Er fällt ihnen zu.

In Deutschland ist in den letzten Jahren die so genannte Erbengeneration herangereift, der durch die anstehenden Erbschaften ein Vermögenszuwachs zufallen wird. Das Obst aus Nachbars Garten und der Geldsegen aus Papas Betrieb in unseren Beispielen haben eines gemeinsam: Die neuen Besitzer mussten nichts dafür tun. Das ist angenehm, aber keineswegs Zufall. Ebenso wenig, wie wenn jemand der Erfolg einfach so zufällt; man kann auch sagen "in den Schoß fällt".

Der Zufall und die Ursache

Der Zufall, der mit "zufallen" so eng verbunden ist, dessen Ursache also letztlich bekannt ist, war bis ins 17. Jahrhundert fester Begriff der deutschen Sprache. Dann kam der Wandel. In der abendländischen Philosophie wurde die Frage nach der Kausalität, der Ursache, zum wichtigsten Problem der Fragestellung überhaupt. Für alles aber, dessen Ursache und gesetzmäßige Entstehung noch – und das ist der entscheidende Punkt – unbekannt war, brauchte man einen Begriff.

Es ist alles andere als ein Zufall, dass dieser Begriff das Wort "Zufall" war. Also: Etwas ist so, aber man weiß noch nicht warum. Das ist der Zufall im philosophisch-naturwissenschaftlichen Sinn. Dieses Verständnis von Zufall hat, überträgt man es aufs tägliche Leben, etwas Verführerisches. Alles, was nicht gleich zu erklären ist, was aller Voraussicht nach so nicht zu erwarten war, wird zum Zufall. Dies ist unser heutiges Verständnis von Zufall.

Zufall, zufällig, zufälligerweise – der Sprachgebrauch

So wird der Zufall zum reinen oder puren Zufall, zum glücklichen oder unglücklichen und auch zum blöden Zufall. Zufälligerweise passierte das und das, zufällig begegnen wir einer alten Freundin und treffen – was für ein Zufall – die Müllers auf Gran Canaria.

Die Worte "Zufall", "zufällig" und auch "zufälligerweise" werden im Grunde genommen oft gedankenlos gebraucht. Das ist nicht schlimm, aber es muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Der so genannte Zufall ist niemals aus einem ursächlichen Zusammenhang herausgelöst. Oder philosophisch ausgedrückt: Er widerspricht nicht den Gesetzen der Kausalität, nach denen ein Ereignis notwendig eintritt beziehungsweise eintreten kann.

Welch ein Zufall: die Müllers im Urlaub getroffen

Machen wir die Probe aufs Exempel. Sie beschließen während der Sommerferien drei Wochen auf Gran Canaria zu verbringen. Die Müllers haben auch schulpflichtige Kinder, wollen ebenfalls ins Warme und denken sich, Gran Canaria wäre doch mal ganz nett. Müllers schauen in die Prospekte, Sie schauen in die Prospekte. Müllers buchen, Sie buchen auch. Müllers fliegen am Dienstag, Sie am Donnerstag. Leider war nur noch in San Nicolas was frei. "Nun gut" sagen Sie, "nun gut" sagen auch die Müllers. San Nicolas also. Am Samstagabend gehen Sie essen und treffen absolut rein zufällig die Müllers. Es hätte natürlich auch ganz anders kommen können. Das ist unbestritten. Aber Sie wären bestimmt nicht auf die Idee gekommen zu erzählen, dass Sie zufällig die Müllers nicht getroffen haben. Es gibt ihn aber doch, diesen Zufall, werden Sie sagen. Stimmt. Sie haben Recht. Es gibt ihn. Aber nicht zufällig.


Fragen zum Text:

Wem etwas in den Schoß fällt, der …?
1. wird schmutzig.
2. musste nichts dafür tun.
3. erntet die Früchte harter Arbeit.

Als "Zufall" wurde in der Philosophie all das bezeichnet, dessen Ursprung …?
1. übernatürlich war.
2. unbekannt war.
3. sofort zu durchschauen war.

Welchen dieser Zufälle gibt es nicht?
1. den reinen Zufall
2. den dummen Zufall
3. den klugen Zufall


Arbeitsauftrag:
Erzählen Sie im Kurs von dem größten Zufall, an den Sie sich erinnern können.

Typisch deutsch soll sie sein, die Gemütlichkeit, denn ein vergleichbares Wort gibt es woanders meist nicht. Aber das heißt nicht, dass sich bestimmte Vorstellungen von Gemütlichkeit nicht überall wiederfinden lassen.

Es gilt als nicht oder nur sehr schwer übersetzbar. Es zu beschreiben fällt selbst in der Sprache schwer, in der es seit Jahrhunderten verwurzelt ist. Es geht um einen Begriff, der untrennbar mit dem Deutschen und den Deutschen verbunden ist. Im englischen Sprachraum und den englischen Wörterbüchern wird es gar als "the german soul", als "die deutsche Seele" bezeichnet. Da ist etwas dran. Was im Einzelnen können wir auch nicht ganz genau sagen, aber wir versuchen es dennoch. Das Stichwort der Woche heißt "gemütlich".

Das Gemüt als Basis des Wohlbefindens

Die Endsilbe unseres Stichworts "-lich" steht immer in Beziehung zum Vorgenannten und bezeichnet die Zugehörigkeit zum Bedeutungsbereich des Stammwortes. Beispiele sind unter vielen anderen: brüderlich, rechtlich, wissenschaftlich und eben gemütlich. Alles, was "gemütlich" bedeutet, hat also mit Gemüt zu tun.

Das "gemüete" tritt im hochdeutschen Sprachraum zur Zeit des Mittelhochdeutschen erstmals auf. Ihm liegt mit gewisser Wahrscheinlichkeit das althochdeutsche Adjektiv "gimuoti" zugrunde, und zwar mit folgenden Bedeutungen: "gleichen Sinnes sein", "angenehm" und "lieb". "Gleiche Gesinnung", "Zustimmung", "Einstimmigkeit" wurden bald zu ganz wesentlichen Bedeutungen des alten "gemüete". Gleichzeitig entwickelte sich "gemüete" und dann "Gemüt" zu dem Wort für Geist und Seele im Sinne einer einheitlichen Verbindung. "Leib und Gemüt", "Körper und Gemüt" wurden zu festen sprachlichen Doppelbegriffen.

Bloß nicht gemütskrank werden

Schon sehr früh taucht gewissermaßen als medizinisch-diagnostischer Fachausdruck das Wort "gemütskrank" auf. Es ist das deutsche Wort für "depressiv". Menschen, die an Depressionen leiden, sind nicht mehr, wie es früher hieß, "gemütlichen Sinnes", das heißt, sie sind nicht mehr im Zustand der Ausgeglichenheit und inneren Ruhe. Hier sind wir einer wesentlichen Bedeutung von "gemütlich" auf der Spur.

"Gemütlich" im alten wie im neuen Sinne ist etwas Angenehmes. Es hat etwas Ruhiges und mitunter sogar Beruhigendes, muss deshalb aber nicht leise oder gar still sein. Gemütlich ist zumindest immer etwas, was uns nicht aufs Gemüt schlägt. Gemütlich tut gut. Deshalb führen wir uns auch Dinge zu Gemüte, die uns Freude machen. Genuss schenken. "Sich etwas zu Gemüte führen" wird heute nur noch in diesem Sinne und meist scherzhaft gebraucht. Man führt sich ein Glas Wein oder auch mehrere bei einem guten Essen zu Gemüte.

Gemüt und Geist

Früher, als das Gemüt bei Philosophen und Dichtern wie Immanuel Kant und Friedrich Schiller gleichbedeutend mit den geistigen Fähigkeiten des Menschen war, galt es, diesem auch geistige Dinge zuzuführen. Je nachdem, welchen Gemüts Männer und Frauen waren, wurde ihnen ein offenes, ein freies, ein schlichtes oder auch ein deutsches Gemüt nachgesagt.

Ein König von "deutschem Gemüte" begegnet uns schon 1449 in der so genannten "Frankfurter Reichskonferenz". "Deutsches Gemüt" war immer schon gleichbedeutend mit "deutscher Gesinnung"; was zunächst nichts mit Deutschtümelei und dumpfem Nationalismus zu tun hat.

Wie sieht sie denn nun aus, die deutsche Gemütlichkeit?

Die deutsche Gemütlichkeit, wenn es sie denn wirklich gibt, ist ein Zustand, der – weltweit bekannt – von touristischen Heerscharen gerade jetzt im Sommer in den Biergärten und auch anderswo gesucht und vorgefunden wird. Aber was ist das: die Gemütlichkeit, auf die ein lautes Prosit gesungen wird? Nun, es ist die Abwesenheit von Unangenehmem. Das gemütliche Beisammensein ist eines ohne Zeitdruck, ohne tiefschürfende Gespräche; ganz zwanglos.

Der sprichwörtlich gemütliche Teil einer Veranstaltung beginnt immer dann, wenn die langweiligen Reden und musikalischen Umrahmungen endlich vorbei sind und es sich alle gemütlich machen. Sich zurücklehnen, die Jacke über den Stuhl hängen, den Krawattenknoten lockern. Dieses kann man auch zu Hause tun; und nicht nur die Deutschen machen es sich daheim gern gemütlich. Sie haben nur den anderen dieses seltsame Wort voraus, das eben alles umschreibt, was diese Gemütlichkeit ausmacht: im Wohnzimmer, auf dem Balkon, im Wohnwagen, beim Picknick, beim Frühstück, im Bett, bei einer gemütlichen Tasse Tee oder Kaffee in aller Gemütsruhe.

Was Menschen mit bösen Absichten nicht so alles tun …

Übrigens ist "Gemütsruhe" ein alter und schöner Ausdruck für den Zustand ruhiger Gelassenheit und inneren Friedens. Jemandes Gemütsruhe stören geschieht und geschah meist in böser Absicht. Es galt, den betroffenen Menschen durcheinander zu bringen. Da hört die Gemütlichkeit in der Tat auf.


Fragen zum Text:

Was bezeichnet der Begriff "Gemüt"?
1. Geist und Seele
2. Körper und Leib
3. Ethik und Moral

Ist jemand schlecht gelaunt und fühlt sich nicht wohl, so …?
1. führt er/sie sich etwas zu Gemüte
2. schlägt ihm/ihr etwas aufs Gemüt
3. hat er/sie ein offenes Gemüt

Wer wird als "schlichtes Gemüt" bezeichnet?
1. ein besonders einfältiger oder naiver Mensch
2. ein Mensch, der im Umgang sehr unkompliziert ist
3. ein Mensch, der keine großen Ansprüche hat


Arbeitsauftrag:
Was bedeutet Gemütlichkeit für Sie? Wie stellen Sie sich einen gemütlichen Tag vor? Beschreiben Sie in einem kurzen Aufsatz, wie ein gemütlicher Tag für Sie aussehen könnte.

Eis

Bei unserem Stichwort mag man an Winter, Schnee und Frost denken, an arktische Temperaturen und überfrierende Nässe. Vermutlich ist jedoch vielen der Gedanke an einen Eisbecher an einem warmen Sommertag angenehmer.

Erfrischungsspeise mit drei Buchstaben. Oder: Aggregatzustand des Wassers. Oder: Kühlmittel für technische und medizinische Zwecke. Oder, oder, oder. Wir spielen heute zu Beginn des Stichwortes ein wenig Kreuzworträtsel. Aber Sie haben sicher schon längst erraten, wie das Stichwort dieser Woche heißt. Richtig: "Eis".

Auf ins ewige Eis

Wir unterscheiden gleich zu Beginn drei Eissorten. Nein, nicht Schoko, Vanille und Erdbeer. Die gibt's auch, aber erst später. Also: Das Natureis, das künstliche und das zum Essen. Das Natureis gibt es zum Beispiel in großen Mengen dort, wo der Eisbär wohnt.

In der Arktis, also ziemlich nahe am Nordpol, jener Gegend, die auch gerne als Eiswüste bezeichnet wird. Dort finden sich riesige Eisberge, Eisschollen von der Fläche bundesdeutscher Stadtstaaten, das fast unüberwindliche Packeis; und wenn das Eis beispielsweise durch Temperaturanstiege bricht, nennt man es Treibeis.

Von Eisbären, Bergsteigern und Anglern

Sollten Sie demnächst einem Eisbären begegnen, werden Sie feststellen, dass er ziemlich o-beinig daherkommt und beeindruckende Krallen hat. Die O-Beine braucht er, damit er auf den glatten und schrägen Eisflächen das Gleichgewicht besser halten kann; und mit den Krallen krallt er sich im Eis fest. Extrembergsteiger, die vereiste Bergwände hochkraxeln, brauchen dazu Eispickel und Eishaken.

Dem Eisbären macht im Gegensatz zum Bergsteiger die Eiseskälte nichts aus. Er, der Eisbär, kann länger als 24 Stunden völlig regungslos auf dem Bauch vor einem Eisloch liegen und warten, bis ein Fisch vorbeikommt. Dann macht er die entscheidende Bewegung. Auch die Menschen angeln am Polarkreis: Eisangeln. Dazu wird ein Loch ins Eis gesägt und die Angel in selbiges gehängt; dient tatsächlich zum Nahrungserwerb, ist aber längst zu einer Art Eissport geworden, so wie das erfrischende Baden im Eisloch bei Minustemperaturen.

Ein Stück Italien in Deutschland: die Eisdiele

Aber nun, da wir das Natureis einigermaßen ausführlich behandelt haben, und Sie wissen, dass wir Eisbären mögen, begeben wir uns in die Eisdiele oder ins Eiscafé, denn Eis ist ein Sommerthema und Speiseeis noch mal ein ganz besonderes. Speiseeis, das ist jene cremige Zubereitung aus Flüssigkeiten und geschmackgebenden Zutaten wie zum Beispiel Vanille, Kakao, Früchten, natürlichen Aromen und geheimnisvoll künstlichen, vornehm ausgedrückt: naturidentischen Aromastoffen.

Es gibt Milcheis, Sahneeis, Fruchteis, Eiscreme, Kunsteis, das ist das mit den künstlichen Aromen, und Halbgefrorenes. So. Zu jeder Eissorte gibt es ellenlange Herstellungsverordnungen und -bestimmungen, die, bis man sie gelesen hätte, jeden noch so üppigen Eisbecher dahinschmelzen ließen. "Eisbecher" ist ein schnödes Wort für jene kunstvollen Miniaturgebirge aus duftenden Eiskugeln, verziert mit Eiswaffeln und glitzernden Eisschirmchen, die wie die Kostüme einer Eisprinzessin in allen Farben leuchten.

Wann entstand denn nun das Speiseeis?

Am Anfang war der Italiener. So um das Jahr 1700 vermengte er auf geniale Weise allerlei wundervolle Zutaten, um etwas Süßes herzustellen. Als er sah, dass es gut war, stellte er es an einen sehr kalten Ort und wartete, bis es jene Konsistenz hatte, die ihn mit großer Freude und vor Glück strahlend das Wort "gelato!" ausrufen ließ.

Damit war das Eis zwischen Italienern und Österreichern gebrochen, denn nur ein paar Jahre später, 1708, verkauften die Wiener jene zum Gefrieren gebrachte flüssige Süßspeise, mit der sie unter dem direkt aus dem Italienischen übersetzten Namen "Gefrorenes" ihre Mitmenschen beglückten.

Eine sehr deutsche Spezialität …

Und jetzt, da wir schon beim Essbaren sind, lüften wir das Geheimnis des Eisbeins. Scherzhaft wird Eisbein jener Zustand genannt, wenn einem die Beine im eiskalten Winter eiskalt gefroren sind. Eisbein ist aber mehr. Es ist ein Stück vom Schienbein des Schweins. Mit dem dransitzenden Muskelfleisch wird es meist mit Sauerkraut und Kartoffelbrei sehr heiß serviert. Ein Wintergericht eher, wenn man beispielweise – und jetzt kommt das Kunsteis – vom Schlittschuhlaufen im Eisstadion nach Hause kommt. Es empfiehlt sich, zumindest behaupten das erfahrene Eisbeinesser, nach dem Essen einen Schnaps zu trinken; natürlich aus vorher im Eisfach des Kühlschranks geeisten Gläsern, versteht sich.


Fragen zum Text:

Wozu hat ein Eisbär O-Beine?
1. um das hohe Eigengewicht besser ausgleichen zu können
2. um besser Fische aus Eislöchern fangen zu können
3. um auf den Eisflächen das Gleichgewicht halten zu können

Was ist keine gängige (Speise-)Eissorte?
1. Fruchteis
2. Honigeis
3. Milcheis

Was ist ein Eisbein?
1. eine tiefgefrorene Hähnchenkeule
2. ein Stück vom Schienbein des Schweins
3. das Schwungbein eines Eiskunstläufers


Arbeitsauftrag:
Gute Eiscafés gibt es in Deutschland erst seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts – dank italienischen Gastarbeitern. Informieren Sie sich über die historischen Hintergründe der Arbeitsmigration in der so genannten Wirtschaftswunderzeit. Berücksichtigen Sie dabei auch ihre Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft bis in die Gegenwart.

Kaum etwas ist so wichtig wie die Luft, doch wird man mal wie Luft behandelt, so ist man darüber meist wenig erfreut. Statt deswegen aber gleich in die Luft zu gehen, empfiehlt sich ein Spaziergang an der frischen Luft.

Die Berliner Luft hat in Deutschland eine gewisse Berühmtheit erlangt. Sie wird in einer Volksweise besungen und zählt immer noch zum unverzichtbaren Repertoire nicht nur der Berliner Drehorgelspieler. Mit dieser Berliner Luft ist weniger die Atemluft in der deutschen Hauptstadt gemeint als vielmehr die unverwechselbare Atmosphäre der Stadt, in der Dinge möglich sind, die eben nur in Berlin, in der Berliner Luft, geschehen können.

Lyrische Luft

Wir stellen Ihnen wie jede Woche ein Stichwort vor. Diesmal heißt es "Luft", und was läge nach Frühlingsbeginn näher, als dabei an die milde Frühlingsluft zu denken. Man muss sie einfach erwähnen, die Anfangszeilen von Eduard Mörikes Gedicht "Er ist’s":

"Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte …".

Und Ludwig Uhland begrüßt den Frühling:

"Die linden Lüfte sind erwacht …".

Seit dem 18. Jahrhundert zählt der Plural von "Luft" – "Lüfte" – als ausschließlich poetischer Ausdruck zum deutschen Wortschatz.

Wenn wir sagen: "Kein Lüftchen regt sich", ist "Lüftchen" eine Art Grenzfall zwischen gehobener und dichterischer Sprache. Ein Lüftchen ist ein Windhauch. Für kurze Zeit leicht bewegte Luft. Die Luft wird meist erst dann wahrgenommen, wenn sie in Bewegung ist. Wir kennen die Wahrnehmung und natürlich auch die Wirkung frischer Luft, die beispielsweise beim Lüften von Räumen durch die geöffneten Fenster strömt. Wir empfinden Luft als kalt oder warm, wir spüren die Zugluft, die durch Fenster und Türen zieht und besonders im Winter höchst unangenehm ist.

Zu Wasser, zu Lande – und an der Luft?

Aber wir haben ja den Winter hinter uns gelassen, Warmluft bestimmt nun im Großen und Ganzen das Wetter. Den meisten von uns macht es eben doch mehr Spaß, an die Luft zu gehen, wenn es schön mild ist draußen, man kann sich wieder luftigere – sprich leichtere – Klamotten anziehen und, wie es in dem alten Schlager heißt, feststellen: "Es liegt was in der Luft, ein ganz bestimmter Duft …"

Wir gehen an die Luft, das heißt, wir machen einen Spaziergang. Wir können aber auch in die Luft gehen. Letzteres bedeutet, wir machen unserem Ärger lauthals Luft, hauen auf den Tisch und sagen, was Sache ist.

Macht Stadtluft nun frei oder doch eher krank?

Apropos sagen, was Sache ist: Was ist denn Luft eigentlich? Nun, sie ist die Schicht, die unsere Erde als Atmosphäre umgibt. Ein Gasgemisch, das vor allem aus Stickstoff und Sauerstoff besteht. Verschiedene Luftschichten unterschiedlicher Temperaturen und die Luftströmungen bestimmen im Wesentlichen unser Wetter.

Luft ist nicht gleich Luft. Wir spüren die Unterschiede. Die Meeresluft, die Luft in den Bergen, sie sind anders als die Luft in den Städten, den Ballungsgebieten. In diesem Zusammenhang kommen wir um den so strapazierten Begriff der Luftverschmutzung nicht herum. Frische, gute Luft ist lebensnotwendig. Deshalb sagen wir auch von etwas, was uns lebenswichtig erscheint: "Ich brauche das, wie die Luft zum Atmen."

Von Luftsäcken und Luftschlössern

Wir verzichten auf einen alphabetischen Durchgang der gebräuchlichsten mit "Luft" zusammengesetzten Hauptwörter. Jeder weiß, dass ein "Luftbefeuchter" ein Gerät ist, das die Luft befeuchtet, wenn sie zu trocken ist, und über den "Luftverkehr" müssen wir uns auch nicht auslassen. Aber da gibt es noch den "Luftsack", und zu dem wollen wir uns eine Anmerkung nicht verkneifen. "Luftsack" ist nämlich das deutsche Wort für "Airbag".

So ganz ohne die Komposita geht es ja wohl doch nicht. Also, ein letztes: Was ist ein Luftschloss, beziehungsweise was bedeutet der Ausdruck "Luftschlösser bauen"? In uns allen steckt ein kleiner Baumeister, der manchmal, vor dem Einschlafen zum Beispiel, ein Luftschloss zu bauen beginnt. Das ist ein Fantasiegebilde, eine Wunschvorstellung, bis ins Detail ausgemalt; aber ach, sie lassen sich nicht verwirklichen, die Luftschlösser, lösen sich auf und verschwinden im Nichts.

Bloß nicht Luft sein!

Luft wird im Vergleich zu Festem und Flüssigem als Nichts, als Leere angesehen. Vernichtendes Urteil über eine Person ist demnach: "Der ist Luft für mich." Ein Nichts. Ein Niemand. Schlimm, wenn es einmal soweit gekommen ist. Da ist nichts mehr zu machen. Dann lieber dicke Luft und irgendwann ein ordentlicher Krach. Dann ist sie raus die dicke Luft.


Fragen zum Text:

Was bezeichnet der Begriff "Lüftchen"?
1. dünne, sauerstoffarme Bergluft
2. das Öffnen von Fenstern, um Luft hereinzulassen
3. einen leichten Windhauch

Woraus besteht Luft hauptsächlich?
1. aus Kohlendioxid
2. aus Argon
3. aus Stickstoff

Ein Luftschloss ist eine ...
1. unrealistische Wunschvorstellung.
2. bestimmte Wolkenformation.
3. Burg mit einer Mindesthöhe von 30 Metern.


Arbeitsauftrag:
Ob Eduard Mörike oder Ludwig Uhland, ob in der Volksweise oder im Schlager – Luft war stets ein beliebter Gegenstand für Dichter bzw. Texter. Schreiben auch Sie ein kurzes, mindestens vierzeiliges Gedicht, in dem es um Luft geht.

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